Küchen-Gewürze aus aller Welt: MUSKATNUSS

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Viele Gewürze müssen eine lange Reise auf sich nehmen, bis sie schließlich in unserer Küche landen. Wir finden, dass man das aufjedenfall wertschätzen sollte und möchten Ihnen deshalb tolle Anwendungsbeispiele, botanische Fakten und noch vieles mehr zu unseren zuverlässigen Helfern geben. Heute dreht sich alles um die Muskatnuss!

Die Muskatnuss ist ein sehr vielseitiges Gewürz, das sich für Süßspeisen ebenso wie für Fleischgerichte eignet. Es handelt sich dem Namen zum Trotz keineswegs um eine Nuss, sondern vielmehr um den Kern einer Frucht. Wegen ihres sehr sauren Geschmacks und ihrer faserigen Konsistenz eignet sie sich allerdings nicht zum rohen Verzehr, sondern wird nur in seltenen Fällen zur Herstellung von Konfitüre verwendet.

Botanische Merkmale und Inhaltsstoffe

Wie ein großer Teil der von Menschen genutzten Pflanzen gehört die Muskatnuss zu den Bedecktsamern – derselben Klasse, der auch Hafer und Reis, Bohnen, Tabak oder Zitrusfrüchte angehören. Eine Besonderheit ist jedoch ihr hoher Gehalt an ätherischen Ölen, der durchschnittlich ca. 10 % beträgt. Dieses besteht aus aromatischen Kohlenwasserstoffen und Phenylpropanen, zu denen auch das Myristicin gehört. Myristicin ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass der Muskatnuss eine Rauschwirkung nachgesagt wird. Für eine wirkungsvolle Dosis sind aber Mengen notwendig, die weit über den normalen Gebrauch hinausgehen und selbst bei hohen Konzentrationen mindestens eine halbe bis eine ganze Nuss erfordern. Andere Bestandteile verursachen bei einer solchen Dosierung bereits lange vorher Nebenwirkungen wie extreme Übelkeit, weshalb die Muskatnuss ein denkbar ungeeignetes Rauschmittel ist.

Namen, Herkunft und Geschichte

Es gibt nur sehr wenige Gewürze, die eine ähnlich fesselnde und leider auch grausame Geschichte wie die Muskatnuss vorweisen können. Ursprünglich wuchs der Baum nur auf einem einzigen Archipel im Pazifik Polynesiens, den Banda Inseln. Die Einwohner betrieben schon früh einen regen Handel mit ihrer kostbaren Ware und über arabische Händler erreichten erste Nüsse während der Kreuzzüge Europa. Lange Zeit wurde der Ursprung in Indien vermutet, bis Portugiesen und Engländer in die Gewässer vorstießen. In der Folge entstand ein britisches Fort, unter dessen Schutz ein – selbstverständlich für die Briten – überaus lukrativer Handel mit den Bewohnern begann. Der natürliche Reichtum lockte jedoch die Holländer in die paradiesische Idylle, die das Monopol des Muskathandels gegen eine andere bis dahin kaum besiedelte Insel eintauschten: dem heutigen Manhattan. Den anschließenden Genozid überlebte nur ein kleiner Teil der Einwohner, nur um anschließend in die Sklaverei zu geraten. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis es den Franzosen in einer abenteuerlichen Mission gelang, einige Muskatbäume zu stehlen, zu kultivieren und dadurch das Monopol zu brechen.

Geschmack und Verwendung

Neben der Muskatnuss werden auch die sogenannten Blüten benutzt, die ein ganz ähnliches Aroma besitzen. Beide können deshalb problemlos gegeneinander ersetzt werden. Wegen des hohen Gehalts an flüchtigen, ätherischen Ölen verflüchtigt sich der Geschmack geriebener Muskatnuss sehr schnell, während die Kerne selbst über lange Zeit ohne spürbare Einbußen gelagert werden können. Deshalb sollten benötigte Mengen unbedingt frisch gerieben werden. Obwohl Muskatnuss heute meist in süßen Speisen wie Lebkuchen verwendet wird, eignet sie sich ebenfalls ausgezeichnet für herzhafte Gerichte. In der Sauce Béchamel ist sie unverzichtbar, und auch Spinat, Fleisch, Kohl und Kartoffeln gewinnen durch ihre Zugabe deutlich an Raffinesse.

Wissenswertes

  • Die Muskatnuss ist heute ein Bestandteil der Flagge von Grenada, dessen Export zu einem großen Teil aus dem Gewürz besteht.
  • Die Muskatnuss ist keine Nuss, sondern ein Fruchtkern.
  • Die Muskatblüte ist keine Blüte, sondern das Gewebe zwischen dem Kern und dem Fruchtfleisch.
  • Bereits Marco Polo erwähnt die Muskatnuss, hält sie aber irrtümlich ebenfalls für die Blüte eines Baumes.
  • Den Holländern war der Muskathandel im 17. Jahrhundert soviel wert, das sie mit den Engländern die Insel Manhattan gegen das Archipel Banda tauschten.
  • Anfangs diente die Muskatnuss vor allem dazu, Bier zu aromatisieren.